gov2.0camp 2011

Die unterschiedliche Art der Kommunikation auf Twitter zum gov20camp.
Kommunikation auf Twitter zum gov20camp

Nach der Premiere des gov20camps im letzten Jahr verbreitete sich heuer unter den 115 TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland und Ungarn das Gefühl, dass Open Government in Wien und Linz fixe Plätze in den Stadtverwaltungen eingenommen hat.  Die Open Data Preisverleihung durch DI Johann Mittheisz, CIO der Stadt Wien, als Abschluss des Tages und der Aufruf von Stefan Pawel, Projektleiter der Open Commons Region Linz, sich am Apps4Linz Wettbewerb zu beteiligen, waren klare Signale dafür.

Die Stärke des Formats "barcamp" liegt darin, den TeilnehmerInnen zu ermöglichen miteinander in Austausch zu treten, was bei so jungen Themen wie Open Government, frei zugänglichen nicht personenbezogenen Daten der Verwaltung oder e-Partizipation sehr wichtig ist. Genau das geschah auf sehr unterschiedliche Weise am 2.12.2011. Die TeilnehmerInnen hatten nach einer Vorstellungsrunde von 19 Sessionthemen die Qual der Wahl 5 Sessions auszuwählen und dort nach einem kurzen Impulsbeitrag an regen Diskussionen teilzunehmen.

Parallel dazu tauschten sich knapp 80 UserInnen über Twitter zu den Inhalten des Tages aus. Auf großen Bildschirmen konnte auch ohne Internetzugang diesen Dialogen gefolgt werden. Die Bilanz lässt sich sehen: 333 Nachrichten wurden zur Veranstaltung (#gov2vie) versendet, eine von uns mit Hilfe von wordle erstellte Visualisierung gibt einen kleinen Eindruck dazu. 

Angewandtes Open Government - Verwaltung im Dialog
Die unterschiedliche Art der Kommunikation in der Medienberichterstattung zum gov20camp.
Kommunikation in der Medienberichterstattung zum gov20camp

In der Session von Stefan Pawel "Das Prinzip Offenheit - Impulse für die kommunale Netzpolitik" stellte er zahlreiche Initiativen der Open Commons Region Linz vor - wie beispielsweise die Schnittstelle für Abfragen der Echtzeitdaten der Busse und Straßenbahnen in Linz und diskutierte die Frage, ab wann es sinnvoll ist mit nicht personenbezogenen Daten von Seiten der Verwaltung online zu gehen.

Thomas Jöchler, Leiter der Projektentwicklung bei wien.at präsentierte den aktuellen Stand an Wiener Apps mit Open Government Data. In seiner Präsentation und der folgenden Diskussion stand die Frage im Raum, was die Stadt Wien tun kann, damit die Anwendungen in diesem Bereich nachhaltig sind und so bspw. den Tourismus begünstigen können.

Alexandra Rupp-Ebenspanger, Mitarbeiterin der Stadtteilplanung der Stadt Wien stellte eine in Umsetzung befindliche Onlinedialogplattform für den Umbau des Kirchenplatzes in Atzgersdorf vor. Dieses wiederverwendbare Werkzeug wird auf Basis von Wordpress der Stadtverwaltung die Möglichkeit geben, Online-Dialoge mit den BürgerInnen zu führen.

Ralf Lesser vom Bundesministerium des Innern in Berlin ging in seiner Session der Frage nach, ob Selbstregulierungsinitiativen, wie sie bspw. gerade das BMI mit dem Kodex für soziale Netze angestoßen hat, rascher und effektiver sein können als klassische Gesetzgebungsprozesse. In einer zweiten Session gemeinsam mit Markus Rhomberg von der Zeppelin University in Friedrichshafen diskutierten die TeilnehmerInnen rund um die Frage, welche Auswirkungen es eigentlich auf unsere Gesellschaft hat, dass das Internet nichts vergisst und sich so das Verhältnis von Erinnern und Vergessen grundlegend wandelt.

Bürgerbeteiligung spielerisch erlernen?

Julianna Szabo und Agnes Deigner von der TU Budapest präsentierten ihr Konzept eines Online-Spiels, mit dem die Bewohner erlernen können, öffentlichen Raum zu gestalten. ?£ber virtuelles Eigentum und das ?£bertragen der eigenen Parzelle an eine konkrete Gestaltungsidee, soll dies gelingen. Liquid Democracy und das Verschneiden der virtuellen und realen Beteiligungswelt wurden in dieser Session lebhaft diskutiert. Ein von der EU finanziertes Projekt präsentierte Peter Sonntagbauer mit dem Titel "Future Policy Modelling Project".

Peter Kühnberger von neu&kühn diskutierte in seiner Session Asphaltpiraten und Stadtentwicklung den richtigen Zeitpunkt von Online-Beteiligungsverfahren und welche Komplexität BürgerInnen in Planungsverfahren zumutbar ist. Beispiele wie next Hamburg stellen eindrucksvoll dar, dass e-Partizipation auf gesamtstädtischer Ebene für Stadtentwicklungspläne oder Masterpläne, Stadtentwicklungsgebiete wie  auch auf der lokalsten Ebene, einem konkreten Platz oder Straßenzug funktionieren kann.

Online-Stadtpläne

Der diesjährige Open Data Preisträger, Robert Harm, stellte in seiner Session den Wiener Open Data Stadtplan vor. Vorteile der Open Street Map sind ein extrem schneller Kartenaufbau, höchste Lagegenauigkeit im Vergleich zu Google und auch der kostenfreie Zugriff. Mit dem von ihm weiterentwickelten Wordpress-Plugin namens Maps Marker kann man den eigenen Standorte auf der Karte kennzeichnen frei nach dem Motto "Meine Platzl im Grätzl".

Andreas Trawöger präsentierte in seinem Beitrag die Digitalisierung von Geodaten anhand einer Karte der Wiener U-Bahn in der "Josefinischen Epoche" dar. Die Genauigkeiten unterschiedlicher technischen Lösungen wurde diskutiert und die Möglichkeit über das "Europe EEA Pollutant Register" auf Umwelt- und Statistikdaten zurückgreifen  zu können. Anschließend lieferte Joseph Dreier einen Input über die Wertschöpfungskette im Datenjournalismus anhand des Beispiels New York Times, bei der zeitweise bis zu 30 Personen in diesem Bereich tätig sind. 

Open Data - Potenziale und Vernetzung

Barbara Good und Martin Kaltenböck veranstalteten am Camp einen Workshop in dem sie dem wirtschaftlichen Potenzial von Open Data auf den Zahn fühlten. Die TeilnehmerInnen diskutierten rund um die Frage, wie die Nutzung der offenen Daten zu ertragsfähigen Geschäftsmodellen führen könnten.

Thomas Thurner berichtete in seiner Session über die Problematik von Daten-Inseln. Derzeit existieren unzählige Daten, Daten-Register oder Rohdaten, die aber alle lokale Informationen beinhalten und damit nicht vernetzt sind. Anwendungen bleiben daher meist sehr lokal und oft "geekig". Die Verknüpfung dieser Inseln kann über eindeutige Adressen (URIs) und internationale Thesauri gelingen.

Ein Team um Josef Dabernig stellte das Open Source CMS Drupal in Open Government Anwendungen vor. Beispielsweise in Kombination mit CKAN, einer Open Data Katalog Software wurden Datenportal in Großbritannien wie auch in der Stadt Linz umgesetzt. Aber auch e-Partizipationsangebote wie Frankfurt Gestalten oder das Stadtportal von Köln laufen auf Drupal.

Demokratie und Transparenz - starke Signale der Zivilgesellschaft

Marion Breitschopf und Michael Eisenriegler stellten die kürzlich online gegangene Transparenzplattform meineabgeordneten.at vor, die öffentliche Daten zu allen österreichischen Nationalratsabgeordneten, Mitgliedern des Bundesrats, EU-Abgeordneten und Regierungsmitgliedern beinhaltet.

Kirsten Neubauer von neu&kühn diskutierte intensiv mit den SessionteilnemerInnen von "Schuldenbremse als Beteiligungsprojekt", welche Chancen, Möglichkeiten und  Notwendigkeiten E-Partizipation bei nationalen Großprojekten mit sich bringt.

Josef Barth und Hubert Sickinger präsentierten die von ihnen nach dem letztjährigen gov20camp gegründete Transparenzplattform amtsgeheimnis.at -was Österreichs Bürger nicht wissen dürfen. Die Online-Plattform dokumentiert, welche Informationen den BürgerInnen seitens des Staates vorenthalten werden.

Mit iDepart.at, einer gerade erst fertiggestellten Plattform für demokratische Partizipation, wollen die Gründer Bernhard Schreder und Philipp Hoffuri politisch interessierte Menschen vernetzen, deren Anliegen kommunizieren und deren politisches Interesse durch spielerische Anreize wie Badges fördern. 

Sigrid Maurer stellte in ihrer Session "Transparenz & Demokratisierung - für wen eigentlich?" die Frage in die Runde, wer solche Transparenzangebote im Internet nützen kann - nur ein gebildeterer und interessierter Personenkreise oder ist es auch möglich Menschen, die sich weniger für Politik interessieren dafür zu begeistern?

Ein Team, bestehend aus Julian Ausserhofer, Axel Maireder und Axel Kittenberger bot eine Vorschau auf ihr aktuelles Forschungsprojekt zur österreichischen innenpolitische Twittersphäre. Beeindruckende Netzwerkanalysen brachten Zusammenhänge wie Medienpräsenz, Themenkarrieren oder Vernetzung der "Twitteria", die auch zahlreich der Analyse lauschten :-), zum Vorschein.


Ein herzliches Dankeschön an alle TeilnehmerInnen für die engagierten Sessions, das Orga-Team und die Sponsoren Stadt Wien, BRZ, Donauuni Krems und neu&kühn, die diese Veranstaltung ermöglicht haben.

Peter Kühnberger & Agnes Köchl
neu&kühn initiierte 2010 das erste gov20Camp in Wien und veranstaltete gemeinsam mit dem Zentrum für e-Government der Donauuni Krems auch das diesjährige gov20camp am 2.12.2011 im Wiener Rathaus. Details zur Veranstaltung

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